Restwertrisiko
Gefahr der Wertminderung des Fahrzeugs unter den kalkulierten Wert.
Definition: Was versteht man unter dem Restwertrisiko?
Das Restwertrisiko beschreibt im Finanz- und Leasingwesen die Gefahr, dass der tatsächliche Marktwert eines Fahrzeugs am Ende der Vertragslaufzeit geringer ausfällt als der ursprünglich kalkulierte Restwert. Diese Differenz entscheidet darüber, ob der Leasingnehmer eine Nachzahlung leisten muss oder nicht.
Zu Beginn eines Leasingvertrags wird prognostiziert, wie viel das Auto nach beispielsweise drei Jahren und 45.000 Kilometern noch wert sein wird. Dieser kalkulierte Restwert beeinflusst die monatliche Leasingrate maßgeblich. Ist das Auto am Ende jedoch weniger wert (z. B. durch Marktschwankungen, Dieselskandale oder Modellwechsel), realisiert sich das Restwertrisiko.
Wer trägt das Risiko? Die zwei Vertragsarten
Für Endverbraucher ist es essenziell zu wissen, dass die Tragweite des Risikos von der Art des Leasingvertrags abhängt:
- Beim Restwertleasing: Hier liegt das Restwertrisiko vollständig beim Leasingnehmer (Kunden). Wurde der Restwert auf 15.000 Euro festgelegt, das Auto ist laut Gutachten aber nur noch 12.000 Euro wert, muss der Kunde die Differenz von 3.000 Euro sofort nachzahlen. Dies gilt auch dann, wenn der Wertverlust auf externe Faktoren zurückzuführen ist, die der Kunde nicht beeinflussen kann (z. B. politische Fahrverbote).
- Beim Kilometerleasing: Hier liegt das Restwertrisiko beim Leasinggeber (Bank/Händler). Der Kunde zahlt lediglich für die Nutzung der vereinbarten Kilometer. Ist das Auto am Ende weniger wert als gedacht, ist dies das Problem des Händlers. Der Kunde muss lediglich für Mehrkilometer oder übermäßige Schäden aufkommen, nicht aber für den generellen Marktpreisverfall.
Ursachen für einen geringeren Restwert
Das Restwertrisiko wird durch verschiedene Faktoren beeinflusst:
- Marktsituation: Eine gesunkene Nachfrage nach bestimmten Antriebsarten (z. B. Diesel oder ältere Elektroautos) drückt den Preis.
- Modellwechsel: Kommt ein Nachfolgemodell auf den Markt, verliert das Vorgängermodell schneller an Wert.
- Imageverlust: Rückrufaktionen oder Skandale des Herstellers.
- Zustand: Unfälle und schlechte Wartung (wobei dies oft separat als "Minderwert" berechnet wird).
Empfehlung für Verbraucher
Experten und Verbraucherschützer raten Privatpersonen fast ausnahmslos zum Kilometerleasing. Die monatlichen Raten können hierbei auf den ersten Blick minimal höher wirken als bei aggressiv kalkulierten Restwertangeboten, doch Sie erkaufen sich damit Planungssicherheit. Das Restwertrisiko ist eine unkalkulierbare finanzielle Variable, die am Laufzeitende zu bösen Überraschungen führen kann.
Zum Thema Restwertrisiko
Wer trägt das Restwertrisiko beim Kilometerleasing?
Beim Kilometerleasing trägt der Leasinggeber (also die Bank oder der Händler) das volle Restwertrisiko. Als Kunde müssen Sie keine Nachzahlung leisten, wenn der Marktwert des Autos sinkt, solange Sie die vereinbarten Kilometer einhalten und das Auto keine übermäßigen Schäden aufweist.
Warum locken manche Händler mit Restwertleasing?
Händler setzen beim Restwertleasing den prognostizierten Restwert oft künstlich hoch an. Dadurch sinkt der Wertverlust auf dem Papier, was zu sehr niedrigen monatlichen Leasingraten führt. Dies sieht für den Kunden attraktiv aus, führt aber am Ende der Laufzeit oft zu hohen Nachzahlungen, da der hohe Restwert am Markt nicht erzielt werden kann.
Kann ich das Restwertrisiko versichern?
Nein, das klassische wirtschaftliche Restwertrisiko (Marktpreisverfall) lässt sich nicht direkt versichern. Eine GAP-Versicherung deckt lediglich die Lücke zwischen Wiederbeschaffungswert und Ablösewert bei Totalschaden oder Diebstahl während der Laufzeit, schützt aber nicht vor einer Nachzahlung am Vertragsende aufgrund gesunkener Marktpreise.
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